Genesis
Die Faszination für die Entstehung des Universums, der Natur und des Menschen ist in der Schöpfungserzählung der Genesis mythisch aufgehoben. Claude Nuridsany und Marie Pérennou, die mit dem Film «Mikrokosmos» einen Welterfolg feierten, bringen nun die Faszination für die Natur und ihre Wunder in eine neue mythische Erzählung, die ein afrikanischer Schamane (Sotigui Kouyaté) inszeniert. Hier verschmelzen populärwissenschaftliche Erkenntnisse über die Entstehung der Galaxien mit der Vorstellung einer beseelten Natur, wie sie aus dem Animismus bekannt ist.
Durch die symphonische Montage gelingt es Nuridsany und Pérennou gänzlich ohne digitale Effekte, eine Poesie der Natur heraufzubeschwören. Das Ergebnis wirkt wie eine Fusion von Walt Disneys «Die Wüste lebt» (1954, Regie James Alger) und Godfrey Reggios neoromantischem Stil der Naturdarstellung in «Koyaanisqatsi» (1987) und «Anima Mundi» (1992). Bezaubernd ist die von Disney entlehnte Komik und Ironie, hinreissend wirkt die überhöhte Darstellung der Naturgeschöpfe, wie sie bereits Reggio gezeigt hat. Die Musik von Bruno Coulais unterstützt die Verdichtung zu einem Kinoerlebnis, das vom philosophischen Tiefgang bis zum Schaueffekt der Tierwelt für die ganze Familie etwas bietet. „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde …“ – hier als eine Form des romantischen Neomythos.
Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch
«Genesis», Frankreich 2004, Regie: Claude Nuridsany, Marie Pérennou, Besetzung: Sotigui Kouyaté, Verleih: Frenetic Films, Internet: http://www.frenetic.ch
Buchhinweis: https://www.medientipp.ch/index.php?na=4,1
