Religiöse Sendungen als Service public
Sendungen wie das „Wort zum Sonntag“ oder die Gedanken „Zum neuen Tag“ gehören zum festen Programmangebot von SR DRS und SF DRS. Seit Jahren war es ein Wunsch im Publikumsrat, die religiösen Sendungen kritisch zu beobachten beziehungsweise anzuhören. Dies ist um so mehr berechtigt, als im Publikumsrat je ein Vertreter der reformierten und der katholischen Kirche der Deutschschweiz (1) mitwirkt. Im Herbst 2001 hat sich nun eine Arbeitsgruppe (2) des Publikumsrates während einem Monat mit den Sendungen auseinander gesetzt. Bruno Santini-Amgarten fasst die Ergebnisse der Diskussion zusammen und zeigt auf, dass religiöse Sendungen beliebt, vielfältig und qualitativ hochstehend sind.
Religiöse Sendungen gehören zum Pflichtteil des Service public von Fernsehen und Radio; denn Religion gehört existenziell zum Menschsein, in welcher Form auch immer. In diesem Sinne sollen religiöse Themen in ihrem Umfang und in ihrer Qualität in Radio und Fernsehen SRG evaluiert werden. Der Publikumsrat DRS hat diese Aufgabe im Herbst 2001 in Angriff genommen. Die Gespräche und Diskussionen sind teilweise stichwortartig und exemplarisch referiert.
1. Religiöse Sendungen an Radio und Fernsehen der Deutschschweiz
Die religiösen Sendungen sind meistens kurze Einschaltungen, weisen aber eine erfreuliche Vielfalt auf (3). Sie sind hier, unterteilt nach Beobachtungsintensität, aufgeführt.
Radio
Systematische „Beobachtung“:
Zwischenhalt (mit Glockengeläute als Ausklang (4), Samstag, DRS 1, 19.30
Blickpunkt Religion und Perspektiven, Sonntag, DRS 2, 8.10 bzw. 8.30, Zweitausstrahlung Perspektiven, Freitag, DRS2 15.00
Religionsthemen im Kontext, vorwiegend Donnerstag, DRS 2, 9.00, Zweitausstrahlung 18.30
Summarische „Beobachtung“:
Zum neuen Tag, DRS1 Montag bis Samstag 6.40, 8.50; Musigwälle 531 Montag bis Samstag 8.30
Zeilensprünge, DRS2 Montag bis Samstag 6.10, 8.10, Samstag 6.30, 8.30
Ein Wort aus der Bibel, Sonntag, DRS1, 6.40, 7.50, DRS 2, 7.05
Texte zum Sonntag, Sonntag, DRS 1, 9.40
Predigten und Gottesdienstübertragungen, Sonntag, DRS2, 9.30
Fernsehen
Systematische Beobachtung:
Wort zum Sonntag, Samstag, SF1, 19.55
Sternstunde Religion, Sonntag, SF1, 10.00
Summarische Beobachtung:
Gottesdienstübertragungen, Sonntag, SF1, 10.00 (Sternstunde Religion)
Religiöse Themenstellungen in anderen als in den ausdrücklich religiösen Sendungen waren nur am Rande Gegenstand der Beobachtung. Sie bilden aber eine wichtige Querschnitt-Aufgabe der Redaktionen Religion.
2. Anspruchsvolle Kriterien der Macherinnen und Macher
Der Arbeitsgruppe lagen verschiedene interne Papiere der Redaktionen vor, die alle von der Seriosität und dem hohen Anspruch zeugen, den die Macherinnen und Macher an ihre Sendungen legen. Da heisst es zum Beispiel zur Sonntagmorgen-Radiosendung „Blickpunkt Religion“ im sechsseitigen Konzeptpapier: „Die Ziele von ´Blickpunkt Religion´, eine inhaltlich fundierte und formal vielfältige, insgesamt qualitativ hochwertige Sendung zu sein, können nur durch eine regelmässige Qualitätskontrolle erreicht werden. Waren es die richtigen Themen, in der richtigen Form, mit den richtigen GesprächspartnerInnen? Das wichtigste Instrument der Qualitätssicherung ist das regelmässige Feedback. (…) Die gesamte Redaktion Religion befasst sich mindestens zweimal im Jahr ausführlich mit ´Blickpunkt Religion´.“ Und in den internen Evaluationskriterien heisst es da etwa wie in einem katholischen Beichtspiegel bezüglich Redaktionsumfeld: „Habe ich nur an den Sonntagmorgen auf DRS2 gedacht, oder auch an das gesamte Programm von SR DRS?“
Zum Ziel und zur Grundausrichtung der „Sternstunden“ am Fernsehen vom Sonntagmorgen heisst es im entsprechenden Kriterienpapier: „Die existenzielle Neugierde, das Bedürfnis nach Orientierung und Horizonterweiterung in allen Fragen der Religion und der Philosophie sowie die Suche nach Sinnfindung und Lebensbewältigung bilden das Leitmotiv der Sternstunden. Religion und Philosophie fassen wir bewusst weit. Was immer auf den Marktplätzen, Kanzeln und Kathedern an Antworten auf die Frage nach dem Woher und Wohin mit gebührender Gründlichkeit angeboten wird, greifen wir auf und befragen es mit Sympathie und mit Kritik. Jedem religiösen Ausschliesslichkeitsanspruch und jeder ideologischen Einengung setzen wir eine Skepsis zugunsten von Toleranz, Humanität, Freiheit und Pluralismus entgegen. (…) Die Sternstunden haben sich im Lauf der Jahre Geltung verschafft als erstrangiger Ausweis für den Service public des Senders. Das soll so bleiben.“ (5)
3. Kriterien der Beobachterinnen und Beobachter der Arbeitsgruppe
Nutzen (Gratifikation)
– Erlebniswert
– Erkenntnisgewinn/Informationswert
Inhalte
– Themenwahl
– Bedeutsamkeit, Gewichtung und Aktualität der Sendung
– Sensibilität für religiöse Sendungen
– Differenzierte/Analytische Behandlung des Themas
– Angepasstheit der Sprache gegenüber dem Gegenstand (Zum Beispiel: Konfessionsspezifische Sprache)
– Verhältnis „Pflichtstoff – Eigenleistung“
Kompetenz
– Präsentation (Redaktion/Moderation)
– Verständlichkeit der Sprache
Vielfalt
– Mischung und Attraktivität der Präsentationsformen
– Zugang und Formate
Anregungen und Fragen
Diese Beobachtungsmerkmale dienten als Hintergrund für den folgenden Ergebnisbericht, werden aber nicht systematisch aufgenommen.
4. Erfreuliche Bilanz der Sendebeobachtung
4.1 Allgemeiner Eindruck
Die religiösen Sendungen im Radio und Fernsehen werden durchwegs positiv bis sehr positiv beurteilt. Eine der Beurteilungspersonen, die häufig ortsabwesend war und sich trotzdem zur Mitarbeit bereit erklärt hat, schreibt in ihrem Begleitbrief Folgendes: „Trotzdem – ich habe einige Sendungen im TV und Radio verfolgen können und war davon angetan, wie gut es tut, sich ´still hingegeben´ von der Hektik zu lösen. Insofern bin ich geradezu froh, dazu gezwungen worden zu sein . .“ Die Einschätzungen der Beurteilungspersonen sind zwar nicht durchwegs deckungsgleich, aber weichen in ihrer positiven Grundhaltung nicht voneinander ab.
Die Vielfalt (Präsentationsformen, Zugang und Format) wird allgemein lobend hervorgehoben. Ein Beobachter fasst den Eindruck stellvertretend für die andern folgendermassen zusammen: „Die Sendungen arbeiten mit verschiedenen Formen: Gespräch, Interview, O-Ton, verbindender Kommentar. Allerdings habe ich nie einen hektischen Wechsel der Formen gehört; dem Inhalt entsprechend herrscht ein ruhiger Rhythmus in den Sendungen vor. Dies empfinde ich als sehr angenehm und der Sache dienlich.“
Die Kompetenz (Präsentation der Inhalte und Verständlichkeit der Sprache) wird – von punktuellen Ausnahmen abgesehen – als gut bezeichnet. Bezüglich der Sprache ist das erfolgreiche Bemühen um Differenzierung offensichtlich, wenn man die samstagabendliche Sendung „Zwischenhalt“ (z.B. das Dialekt-Interview mit dem abtretenden christkatholischen Bischof Hans Gerny) vergleicht mit der längeren und in Hochdeutsch präsentierten Version „Reprise“ am Sonntag.
Die Sendungen sind Eigenleistungen, ausser wenn es sich um religiöse Dokumentarfilme handelt, die meistens eingekauft werden.
Nachfolgend werden die beiden Medien, Radio und Fernsehen, getrennt behandelt; und es wird summarisch zwischen besinnlichen und informierenden Sendegefässen unterschieden. Die Beurteilungen fallen für beide Medien grundsätzlich positiv aus. Kritiken betreffen Details; Fragen stellen sich eher für die Zukunft der Sendungen.
4.2 Radio
Besinnliche Sendungen (6)
Die Gedanken „Zum neuen Tag“ werden in der Regel als wertvoller, nützlicher Beitrag zur Lebensgestaltung wahrgenommen. Bei „Zeilensprünge“ ist dies weniger ausgeprägt – vielleicht weil nur selten beobachtet. „Diese Sendungen (Zum neuen Tag DRS1) höre ich oft und recht gern und schätze sie als religiös-philosophischen Einstieg in den Tag. Ich glaube auch, dass diese Sendung am Morgen absolut angebracht ist, zumal das Belehrende, Mahnende so im Vordergrund steht. Subtil verarbeitet finde ich meistens die ´Geschichten´, die zum Inhalt gemacht werden, kritisch, aber unaufdringlich die Aussagen.“ Die Gedanken zum neuen Tag und „Zeilensprünge“ enthalten allerdings „eher menschliche und allzu menschliche Gedankensplitter als religiöse“, wird allerdings auch eingewendet. Sie kämen bisweilen etwas zu leichtgewichtig daher.
Die Sendeinhalte greifen menschliche Verhaltensweisen auf, die immer aktuell sind. Die besinnlichen Sendungen im Radio sind nicht tagesaktuell – wie im Fernsehen. Das hat mit den langen Vorlaufzeiten und den begrenzten Mitteln zu tun, was allerdings nicht als störend empfunden wurde.
Es gelingt den Sprecherinnen und Sprechern, „sich auf einen Kerngedanken zu beschränken und so eine klare Botschaft herüber zu bringen. Dies dient der Verständlichkeit ebenso wie der Nachhaltigkeit der Wirkung. Jedenfalls sind mir Radiopredigten weit besser im Gedächtnis haften geblieben als manche Live-Sonntagspredigt.“ Der Tonfall der Sonntagspredigten hinterlässt bisweilen den Eindruck von zu grosser Ausgeglichenheit, wie vereinzelt angemerkt wurde.
Informationssendungen (7)
Eine Beobachtungsperson moniert bezüglich Nutzwert: „Für mich waren zu viele Appelle an die Gelassenheit und Normalität oder eben Heiterkeit nach den Ereignissen in New York auf allen Kanälen zu hören ( .). Was wohl als Hilfe gegen die Resignation und Angst gedacht ist, hat eine kurze Halbwertszeit und verzögert nur die dringend nötige Analyse und die Diskussion, wie mit diesem Hass (politisch und kulturell) umgegangen werden soll.“ Diese Einschränkung tut aber allgemein dem Informationswert keinen Abbruch. „30 Minuten von hohem Bildungswert. Daher ist ´Perspektiven´ nicht nur eine religiöse, sondern eine im besten Sinne bildende Sendung.“
Die Sendungen sind alle, „wenn auch nicht tagesaktuell – so doch von allgemeinem Interesse und gesellschaftlich relevant“.
4.3 Fernsehen
Besinnliche Sendungen (8)
Das Wort zum Sonntag wird durchwegs gelobt, was bei Publikumsräten und -rätinnen nie absolut zu verstehen ist. Ein Beispiel: „Diese Ansprachen nehmen entweder meine ganze Aufmerksamkeit in Beschlag oder nerven so, dass ich schimpfend abstelle ( .).Gepackt werde ich immer wieder von unkonventionellen Gedankengängen der einen oder andern Person. Ein Absteller war eine Sendung im September ( .), wo das Thema zum Schluss mit so vielen Bibelzitaten garniert wurde, als wäre da der Pressesprecher Gottes am Werk.“ Der Nutzen des „Wort zum Sonntag“ mit seinem Untertitel „Gedanken aus christlicher Sicht“ liegt tatsächlich in seinem anregenden Charakter, bisweilen in den ungewohnten Zugängen, z.B. die „Verarbeitung“ der Terroranschläge in den USA. „Ich erwarte keine Kurzpredigt, sondern einen mutigen Auftritt. Ich erwarte gut formulierte, anregende, auch unbequeme Gedanken, die den Nerv der Zeit treffen.“ Oder: „Die fünf Minuten sind ein Zwischenhalt, den wir uns leisten sollten.“
Öfters wäre ein leichtes Lächeln befreiend, nachzuschauen bei den Tagesschausprecherinnen.
Beide Gottesdienste, die in der Beobachtungsperiode beurteilt wurden, wurden aus der Westschweiz übertragen. Dabei waren beide Gottesdienste ausserordentliche Anlässe: zum einen der katholische Jubiläumsgottesdienst Abbé Joseph Bovet in Vuadens FR und zum andern der reformierte Gottesdienst in Gressy VD. Während die Eucharistiefeier in Vuadens selbstredend festlicher war, kann der protestantische Gottesdienst als geglückter, schöpferischer szenischer Gottesdienst bezeichnet werden, wie er in dieser Fülle kaum sonn-täglicher Alltag ist. Und trotzdem: Beide Ausstrahlungen waren in verschiedener Hinsicht für Interessierte ein Gewinn: Blick über die Sprachgrenze hinweg (idée suisse), Einblendung der französischen Liedtexte, Verbindung von Gottesdienst und Präsentation der Region mit ihren Lebensbedingungen, für nicht Sprachkundige hilfreiche Übersetzung. (Der monetäre Nutzen fürs Fernsehen besteht zudem in der gleichzeitigen Ausstrahlung auf allen drei grossen Programmketten.)
Informationssendungen (9)
Nachstehende Einschätzung bezüglich Nutzen, Kompetenz und Vielfalt ist repräsentativ für alle Beteiligten: „Die Sternstunde Religion erfüllt vollumfänglich die konzeptionellen Vorgaben. ( .) Erlebnis, Anregendes, Interessantes wechseln ab und machen die Sendungen selbst sehenswert. – Ein Musterbeispiel, wie man die Bibel (auch noch) vorstellen kann, war der fesselnde und lehrreiche Beitrag ´Wer war Moses´.“
Als gelungenes Beispiel für Überraschendes, Fremdes, das nachhaltig beeindruckt, wurde mehrmals der Dokumentarbeitrag „Tibets Kinder auf der Flucht“ erwähnt.
Lobend wird hervorgehoben, dass religiöse Beiträge nicht auf die spezifischen Sendungen beschränkt bleiben, sondern zum Beispiel in der Tagesschau, in der Serie Bildung (Islam) oder bei ausserordentlichen Ereignissen vorkommen. Ein besonders gelungenes Beispiel waren das Kloster und die Bäuerinnenschule Fahr in der aargauischen Exklave bei Unterengstringen, die im „Quer“ vorgestellt wurden.
5. Bedürfnis nach religiösen Sendungen auch durch Hörer- und Zuschauerzahlen bestätigt
Die religiösen Sendungen erreichen eine hohe Publikumsakzeptanz. Dies wurde über das neue Messsystem Radiocontrol erfasst, das deutlich höhere Zahlen wiedergibt als die bisherigen Befragungen.
Insgesamt hören durchschnittlich 143´000 Menschen die Predigten und Gottesdienste am Sonntag. Diese Hörerschaft ist damit ungefähr gleich gross wie die geschätzte Zahl der regelmässigen Besucherinnen von Gottesdiensten in der Schweiz. Die Sendungen werden je zur Hälfte über DRS2 und Musigwälle 531 gehört, wobei die Frauen etwas zahlreicher sind. Auch Leute im Pensionsalter hören die religiösen Sendungen häufiger, wobei die Spannweite über alle Generationen reicht. Darüber hinaus handelt es sich mehrheitlich um Personen aus städtischen und kleineren Gemeinden mit tendenziell höherer Ausbildung (10) – Am Sonntag zwischen 8.00 und 9.00 Uhr (Blickpunkt Religion, Perspektiven) werden im Durchschnitt 113´000 Personen erreicht, was 2,6% der Bevölkerung entspricht (11).
Ähnlich erfreulich erweisen sich die Zahlen für Religion am Fernsehen: Die 52 Sendungen „Sternstunde Religion“ wurden im Jahre 2001 durchschnittlich von 44´700 Personen gesehen (Marktanteil 10,5% aller Fernseh-Zuschauenden waren bei der Sternstunde). Beim Wort zum Sonntag liegt die entsprechende durchschnittliche Zuschauerzahl bei 580´000 (Marktanteil 38´8%) (12).
6. Wünsche und Perspektiven
Der Publikumsrat äussert den Macherinnen und Macher immer wieder seine Wünsche. Dies ist trotz allem Lob auch bei religiösen Sendungen der Fall. Neben Detailanliegen wie der lebendigere Vortrag der Sonntagspredigten, die allfällige Zusammenlegung der konfessionellen Sonntagspredigten (bei gleichzeitiger un-bedingter Beibehaltung des Zeitgefässes für religiöse Themen), die Präsentation von Dialogpredigten sowie die Vermeidung des zeitlichen Zusammenfalls der Sendung „Zwischenhalt“ am Radio mit der Tagesschau am Fernsehen gibt es auch grundsätzliche Anliegen, zum Beispiel:
- Das Abgleiten der Gedanken zum Tag (Radio DRS 1) in eine ausschliessliche Diesseits-Optik und die inhaltliche Angleichung an die „Zeilensprünge“ soll vermieden werden, zumal erstere von der Redaktion Religion verantwortet werden.
- Wünschenswert ist, auch das jüngere Publikum auf DRS 3 anzusprechen, wo gegenwärtig keine religionsspezifische Sendung auszumachen ist.
- Gewünscht wird auch die Zweitausstrahlung von „Sternstunde Religion“ (13)
- Ein Mitglied fasst den Auftrag der Medien bezüglich Religion in folgende Worte und gibt damit auch die einhellige Meinung der Beobachtungsgruppe wieder: „Religion und Kirche sind nicht nur ein Thema unter anderen, das in themenspezifischen Sendegefässen vorkommt und behandelt werden muss. Es sind Teile unseres gesellschaftlichen Lebens und unserer Art, Erfahrungen und Wahrnehmungen zu verarbeiten. Deshalb ist es wichtig, dass dieser Blickwinkel ausserhalb der speziellen religiösen Sendungen auch bei anderen Themen beachtet wird. ( .) Die Erfahrung zeigt, dass zunehmend, zum Beispiel im Zischtigclub, dieser Aspekt mit ´weltanschaulich neutralen´ psychologischen Fachleuten abgedeckt wird. Die Psychologen können aber nicht die weltanschauliche existenzielle Aufarbeitung aktueller Themen anstelle der Seelsorgerinnen und Theologen übernehmen, sondern ergänzen ihre Fragestellungen.“ Damit wird die oft praktizierte Thematisierung von Religion ausserhalb der klassischen religiösen Gefässe, wie sie weiter oben lobend Erwähnung fand, unterstützt und differenziert.
Die Stellung der Beobachtungsgruppe blieb schliesslich auch im Rat unbestritten: Religiöse Sendungen gehören zum Pflichtteil eines Service-public-Fernsehens und -Radios; denn Religion gehört existenziell zum Menschsein, in welcher Form auch immer. In diesem Sinne müssen religiöse Themen in ihrem Umfang und in ihrer Qualität in Radio und Fernsehen SRG auch in Zukunft gesichert bleiben.
Bruno Santini-Amgarten (1944), Dr. phil., Leiter Arbeitsstelle für Bildung der Schweizer Katholiken ABSK, Luzern/Sachseln OW, Mitglied des Publikumsrats seit 1995
Dieser Bericht kann als pdf-Datei geladen werden: https://www.medientipp.ch/berichte/publikumsrat.pdf
Endnoten:
(1) Frank Worbs, Informationsbeauftragter, Evangelisch-reformierte Landeskirche Aargau, Aarau, und Bruno Santini-Amgarten, Leiter Arbeitsstelle für Bildung der Schweizer Katholiken ABSK, Luzern. Die beiden Vertreter sind in ihren Stellungnahmen frei und handeln ohne Weisung ihrer jeweiligen Landeskirche.
(2) Hanspeter Keller, Bernadette Lehmann, Kathrin Matter, Arthur Oehler, Bruno Santini-Amgarten (Leitung), Frank Worbs. An der Programmbeobachtung haben teilweise folgende Personen aus Sachseln teilgenommen: Romy Isler-Jud, Bruno Kathriner, Prof. Dr. Ernst Spichtig. – Der hier vorliegende Artikel ist auf Anregung des Kollegen im Publikumsrat, Hanspeter Stalder, entstanden. Es ist das erste Mal, dass ein längerer Artikel dieser Art über eine Sendebeobachtung erscheint. Der Inhalt liegt in der alleinigen Verantwortung des Verfassers. Zitate von Mitgliedern der Beobachtungsgruppe aus dem internen Gruppenbericht werden nicht mit Namen versehen.
(3) Wer sich im Besonderen über religiöse Sendungen informieren will, dem stehen drei hilfreiche Organe zur Verfügung:
Medientipp. Korrespondenz für Programm- und Filmhinweise sowie kirchliche Medienarbeit. Hrsg. von den Reformierten Medien und dem Katholischen Mediendienst. Redaktion: Postfach 147, 8027 Zürich, Telefon: ++41 (0)1 204 17 70, Fax: ++41 (0)1 202 49 33, E-Mail: redaktion@medientipp, Internet: https://www.medientipp.ch. Der Medientipp erscheint wöchentlich als Online-Publikation im Internet. Darüber hinaus kann er als fünfwöchige Programmvorschau von Multiplikatoren (insbes. Pfarrblätter) abonniert werden.
Bulletin Religion. Schweizer Radio DRS 2. Basel – Bern – Zürich. Das Bulletin Religion erscheint monatlich und kündigt die Sendungen des entsprechenden Monats an; es richtet sich an Multiplikatoren wie Redaktionen, Bildungszentren usw..
Radiopredigt, Postfach 1052, 1701 Fribourg. Jeweils zwei Sonntagspredigten werden in einem Faszikel abgedruckt.
(4) Der „Zwischenhalt“ hat die „Glocken der Heimat“ abgelöst, wobei zur Freude des Autors die Glocken in die gesprochene Sendung hinübergerettet wurden.
(5) Die Zitierung aus den internen Papieren wurde von den Redaktionen in freundlicher Weise genehmigt.
(6) Zum neuen Tag, Zeilensprünge (nicht mehr in der Verantwortung der Redaktion Religion), Ein Wort aus der Bibel, Texte zum Sonn-tag, Sonntagspredigten. Von der Häufigkeit und dem Bekanntheitsgrad her ist klar, dass die werktägliche Sendung „Zum neuen Tag“ oben auf schwingt. Auf die Nennung von Redaktoren, Autoren und Sprechern wird hier bewusst verzichtet.
(7) Zwischenhalt, Blickpunkt Religion, Perspektiven, Religionsthemen im Kontext
(8) Wort zum Sonntag (Gedanken aus christlicher Sicht), Sonntagsgottesdienste im Rahmen der Sternstunde
(9) Sternstunde Religion, Beiträge in nicht spezifischen Sendegefässen
(10) Medientipp, 28. Februar 2002
(11) Medientipp, 25. September 2001
(12) Angaben Fernsehen DRS
(13) Dieses Postulat ist inzwischen erfüllt. Seit August 2002 ist jeweils am Freitag um 9.15 Uhr eine Zweitausstrahlung angesetzt.
