Fruchtbares Gespräch Kirchen – SRG

Die Landeskirchen der Deutschschweiz, vertreten durch ihre Mediendienste, und die Verantwortlichen von SR DRS und SF DRS arbeiten seit zwei Jahrzehnten im Programmbereich Religion zusammen. Beide Seiten wollen die bewährte Kooperation weiterentwickeln. Die Zielgruppen der religiösen Sendungen sollen differenzierter als bisher analysiert und die Programme in den kirchlichen Informationsmitteln besser bekanntgemacht werden. Auch bei der Begleitung der Sendungen mit Internet-Angeboten wollen die Mediendienste und die Redaktionen von SR DRS und SF DRS zusammenarbeiten.

In entspannter und fruchtbarer Atmosphäre fand am 25. November in Zürich das Kirchengespräch statt. Seit vor zwanzig Jahren die Vereinbarungen zwischen Schweizer Radio DRS und Fernsehen DRS sowie den Kirchen getroffen wurden, kommen die Vertreter der Direktionen und Redaktionen Religion von SR DRS und SF DRS mit den Mitarbeitern und Repräsentanten der kirchlichen Mediendienste jährlich einmal zu einer Konferenz zusammen. Zum Jubiläum präsentierten der Evangelische und der Katholische Mediendienst (EM und KM) ein Positionspapier über die Zusammenarbeit der kirchlichen Mediendienste mit SR DRS und SF DRS. Trotz der stark veränderten Situation der Medien sind die Kirchen an einer Fortführung und Weiterentwicklung der Zusammenarbeit im Sinne der Vereinbarungen von 1979 interessiert. In der gegenwärtigen Marktlage und mit ihren kompetenten Leistungen stehen SR DRS und SF DRS für die Kirchen als Religionsvermittler im Rundfunk an vorderster Stelle. EM und KM räumen deshalb der Zusammenarbeit mit den SRG-Redaktionen Priorität ein. Gleichzeitig müssen und wollen die Kirchen im deregulierten Umfeld Programme in eigener Verantwortung herstellen und sie entweder selber verbreiten oder privaten Radio- und Fernsehveranstaltern zur Verfügung stellen.
Die Vertreter der SRG nahmen die Doppelstrategie der Kirchen grundsätzlich zustimmend zur Kenntnis. Für Erwin Koller, Leiter der Kulturredaktion von SF DRS, hat sich mit und seit den Vereinbarungen von 1979 die Zusammenarbeit zwischen den Redaktionen der SRG und den kirchlichen Mediendiensten wesentlich entkrampft. Entscheidend für das heutige kollegiale Verhältnis sei die Bereitschaft der Kirchen gewesen, die Programmhoheit der SRG zu anerkennen. Eine professionelle und an der Sache orientierte Programmarbeit sei bei den kirchlich mitgestalteten Programmen wie „Wort zum Sonntag“, Radiopredigten und Übertragungen von Gottesdiensten für beide Seiten oberstes Ziel.

Beschlossen wurden konkrete Projekte zur Erweiterung der Zusammenarbeit. Sie betreffen das Marketing für die religiösen Sendungen sowie ihre publizistische Begleitung, aber auch ihre Vor- und Nachbereitung im Internet. Gemeinsam wollen die Kooperationspartner auch die Ausrichtung der Sendungen auf Lebensstil-Milieus unter die Lupe nehmen und so die Zielgruppenorientierung bei der Planung und Entwicklung der religiösen Angebote auf den verschiedenen Kanälen verfeinern und differenzieren.

Fernsehkanal für die Sparte Religion geplant

Die Fernsehvertreter informierten die Konferenzteilnehmer über das internationale Projekt eines Religionskanals. Vergleichbar dem Kulturkanal 3sat planen ARD, ZDF, ORF und SRG einen solchen Spartensender. Für das über Satellit und Kabel zu verbreitende Programm sollen etwa 40 Millionen Franken zur Verfügung stehen. Die genannten Veranstalter wollen mit dieser Initiative ihre religiösen Programme in einer Zweitverwertung themenzentriert bündeln und ihre Marktführerschaft in diesem klassischen Service public-Bereich ausbauen.
Positiv vermerkt wurde die Resonanz der religiösen Sendungen beim Publikum. In den ersten zehn Monaten des Jahres erreichte die Sternstunde Religion von SF DRS am Sonntagmorgen über 36´000 Zuschauer, was einen Marktanteil von 9,4 Prozent ausmacht. Das Wort zum Sonntag schauten am Samstagabend nach der Tagesschau durchschnittlich rund 600´000 Personen (Marktanteil 41%). Die mit dem SWR produzierte Reihe über die Weltreligionen erreichte diesen Sommer bei SF DRS an neun Sonntagen im Durchschnitt 44´000 Zuschauer, und die Wiederholung schauten sich auf 3sat zur Hauptsendezeit um 20.15 Uhr im Oktober nochmals 17´000 Personen an.
Bei SR DRS hören am Sonntag 90´000 Personen die Radiopredigten sowie die Gottesdienstübertragungen. Sie würden locker zwei olympische Fussballstadien füllen. Jede hundertste Person hört praktisch jeden Sonntag auf DRS 2 oder auf MW 531 die Predigten oder den Gottesdienst. Sechs Prozent (250´000 Personen) nutzen dieses Angebot wenigstens alle zwei Monate, weitere drei Prozent zählen sich zu den gelegentlichen Hörern. Zwischen den Predigten und den Gottesdiensten gibt es laut SRG-Forschungsdienst keine klare Präferenz: Je etwa ein Drittel des Publikums hört lieber Gottesdienste, lieber Predigten oder beides gleich gern. Ein erstaunliches Detail: Die Hörerforschung misst während den Predigten einen höheren Anteil an Männern als an Frauen.

Matthias Loretan, Leiter des Katholischen Mediendienstes
Urs Meier, Gesamtleiter des Evangelischen Mediendienstes