Filmfestival Karlsbad als Fenster zu Osteuropa
Jahrzehnte stand das Filmfestival von Karlsbad (Karlovy Vary) im Dienste der sozialistischen Kulturpolitik, Jahre dauerte der Aufbau nach der Wende von 1989. Doch diese Schwierigkeiten sind überwunden und der Erfolg der letzten drei Jahrgänge zeigt, dass der Anlass in der westböhmischen Bäderstadt zu einem wichtigen Ort des Kulturdialogs geworden ist. Die christlichen Kirche unterstützten diesen Dialog mit einer ökumenischen Jury an der 34. Festivalausgabe (2.-10. Juli 1999).
Karlovy Vary besitzt eine malerische Altstadt. Der geschichtsträchtige Badekurort, nahe an der deutschen Grenze gelegen, verwandelte sich anfangs Juli zum Schauplatz des 34. internationalen Filmfestivals. Die Veranstaltung dient einerseits als Fenster zu den – zum Teil immer noch schwer zugänglichen – Filmen und Informationen der Filmschaffenden aus dem ehemaligen Ostblock. Andererseits vertritt die künstlerische Leiterin Eva Zaoralova die Ansicht, dass vor allem im Wettbewerbsteil Filme gezeigt werden sollen, die trotz hoher filmischer und künstlerischer Qualität nicht ins Programm der grossen Filmfestivals aufgenommen werden.
Mit verschiedenen Sektionen vermochte Karlovy Vary die Zuschauer zu begeistern. Darunter „East of the West“ (ehemalige Ostblockländer) und „Tschechische Filme 1998-99“, die besonders bei ausländischen Besuchern auf reges Interesse sties- sen. Die Wettbewerbsfilme stammten aus 17 verschieden Ländern stammen, darunter aus Slowenien, Bulgarien, Tschechien, Kuba, Schweden, Frankreich, den USA und Südafrika.
Die ökumenische Jury 1999 setzte sich aus fünf Mitgliedern aus Tschechien, Deutschland und der Schweiz zusammen. Sie beurteilte die Wettbewerbsfilme nach künstlerischer und professioneller Qualität, sowie nach thematischer Vielfalt. Besonders berücksichtigt wurden Filme, die Hoffnungsträger darstellen, indem sie positive ethische und menschliche Qualitäten vermitteln, Vorurteile auflösen und grössere Toleranz in zwischenmenschliche Beziehungen fördern.
Preise der ökumenischen Jury 1999 am Filmfestival von Karlovy Vary
Der Hauptpreis geht an „A Reasonable Man“ von Gavin Hood (Südafrika 1998) für sein Verständnis von verschiedenen religiösen, kulturellen und ethnischen Perspektiven. Der Film vergleicht traditionelle mit heutigen Werten auf eine sorgfältige und intuitive Weise, und versucht, gerechte Lösungen in differenzierter Annäherungen an die Wahrheit zu finden.
Mit zwei Spezialpreise wurden für folgende zwei Filme geehrt:
„Hachaverim shel Yana“ (Yana´s Friends) von Arik Kaplun (Israel 1998) für sein einfühlsames und überzeugendes Portrait von Imigranten und deren Adaption an das neue Umfeld.
„Beautiful People“ von Jasmin Dizar (England 1999) für seine originellen und erstaunlichen Geschichten, die positive und fruchtbare Begegnungen zwischen Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien und Engländern erzählen. Der Film, als Märchen angesetzt, stimmt heiter und zuversichtlich.
