Action, Stars und Emotionen

Zu den grossen Feiertagen die grosse Unterhaltung – das ist seit Jahren die Devise der Programmverantwortlichen bei allen Sendern. Hier häuft sich, was man übers Jahr so oft vermisst: Qualität in Filmen, Shows und Dokumentationen. Hier aber geht sie auch unter, weil naturgemäss Familienfesttage wie Weihnachten keine quotenbringenden Fernsehtage sind. Doch macht das nichts, denn weniges nur ist wirklich neu, was an den Feiertagen über den Bildschirm geht. Besonders bei den Spielfilmen sind einige darunter, die immer – und nur – an Weihnachten gezeigt werden. So verhält es sich mit Marilyn Monroe- oder Romy Schneider- Klassikern wie „Blondinen bevorzugt“ (ZDF, Di 23.12., 17.25 Uhr) und „Katja, die ungekrönte Kaiserin“ (Kabel 1, Do 25.12., 20.15 Uhr) oder mit so manchem nicht nur für Kinder gedachten Märchenfilm. Es ist wie mit Weihnachten selbst: alles eine Frage der Tradition.

Doch auch mit wirklichen Highlights geizen die Sender zum Fest nicht. ARD hat am Dienstag, 13. Dezember um 20.15 Uhr „Der kleine Lord“ (England 1980) im Programm, jene herzergreifende Geschichte um einen aufgeweckten Achtjährigen, der seinen hartherzigen Grossvater zu einem liebenden Menschen macht; ein rundum gelungener Appell an Güte und Menschlichkeit. Zur selben Zeit läuft bei Kabel 1 Milos Formans virtuos gestalteter Musik- und Künstlerfilm „Amadeus“ (USA 1984) über die Rivalität zwischen Mozart und seinem Widersacher Salieri. Auf Südwest 3 ist am Freitag, 26.12 um 23.05 Uhr Peter Weirs bewegender Film „Club der toten Dichter“ (USA 1988) zu sehen, in dem ein unorthodoxer Lehrer seine Schüler an einem konservativ-strengen College zur Verwirklichung eigener Identitäten führt. Eine wirkliche Entdeckung – weil noch nicht häufig im Fernsehen gelaufen – ist der faszinierende Film „August“ (England 1995), den Vox am Mittwoch, 24.12. um 15.40 Uhr zeigt. In dem Regiedebüt des Schauspielers Anthony Hopkins deckt ein zynischer Alter mit unerfreulichen Wahrheiten die Verlogen-heit seiner Familie aus guter Gesellschaft, auf. Eine andere Familie, steht im Mittelpunkt von Francis Ford Coppolas Klassiker „Der Pate“, auf ARD um 22.15 Uhr. Der detailliert auch Grausamkeiten in Szene setzende Film wird sehenswert durch das brillante Spiel seiner Hauptdarsteller. Mit einem weiteren Klassiker wartet der zweite Weihnachtstag auf. Kabel 1 zeigt Stanley Kubricks „2001 – Odyssee in den Weltraum“ (USA 1965), eine Weltraum-Oper, die wie kein anderer Science-Fiction-Film das Genre bis heute beeinflusst.

Musikalisch kommt das Festtagsprogramm bedächtiger daher. Eine besinnliche Einstimmung auf Weihnachten bietet ARD am Heiligen Abend um 19.00 Uhr mit seiner Konzertaufzeichnung aus dem Limburger Dom „Fröhlich soll mein Herze springen“. Im Zentrum steht das Weihnachtsevangelium nach Lukas (Erzähler Günther Pfitzmann). Literarische Texte wechseln sich mit stimmungsvoller Festmusik ab. 3sat hat an diesem Abend ab 21.10 Uhr Mozarts Oper „Cosi fan tutte“ in einer Aufführung in italienischer Sprache aus der Wiener Staatsoper (1970; Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Karl Böhm) im Programm.

Wem nach Action, Stars und Emotionen eher nach Besinnlichem ist, dem sei die unscheinbare Dokumentation „Wenn zuviel Schnee fällt, muss man halt beten“ von Ludwig Ott im Bayrischen Fersehen am Heiligen Abend um 17.00 Uhr empfohlen. Diese portraitiert das winterliche Leben auf Einsiedelhöfen der Südtiroler Alpen und vermittelt dabei jene Ruhe vom hektischen Alltag, die den Glanz des Festes der Geburt Jesu mehr erstrahlen lässt als jedes Highlight der Unterhaltung.

Johannes Schönwälder