Liebesdienerinnen gegen Gottesdienerinnen?

Für die Sendung „DoppelMoppel.ch“ versucht Schweizer Fernsehen DRS mit fragwürdigen Methoden, Menschen vor die Kamera zu ziehen. Der katholische Radio- und Fernsehbeauftragte Willi Anderau berichtet.

In den letzen Tagen erreichte mich das Telefon eines Fernseh-Redaktors. Er bat mich um Mithilfe bei der Suche nach Klosterfrauen für die neue Spiel-Serie „DoppelMoppel.ch“, die ab 2. Januar 2001 unter der Woche täglich vor der Mittags-Tagesschau ausgestrahlt werden soll. Die Sendung sei ein lustiger Zeichnungswettbewerb, so der Redaktor, bei dem jeweils zwei Gruppen von drei Personen eine Woche lang gegeneinander antreten sollten. Eine Reise sei zu gewinnen. Er erklärte die genauen Ausstrahlungszeiten, und auf was es beim Mitmachen ankomme. Aber kein Wort davon, dass geplant war, den Klosterfrauen als Mitspielerinnen Prostituierte gegenüber zu stellen, und kein Wort vom schlüpfrigen Titel „Liebesdienerinnen gegen Gottesdienerinnen“, unter dem man die Spiel-Staffel laufen lassen wollte. Nebenbei erwähnte der Redaktor noch, dass Frank Baumann die Sendung moderieren werde, aber „DoppelMoppel.ch“ sei etwas ganz anderes als seine frühere Sendung „Ventil“.
Gerne war ich bereit, bei der Suche nach Klosterfrauen behilflich zu sein. Gerne waren auch die Frauen einer Schwesterngemeinschaft, die ich anfragte, anfänglich zum Mitmachen bereit. Doch kurz darauf erhielt ich von ihnen eine Absage. Die Schwestern wurden von anderer Seite – wie sich im nachhinein herausstellte: zu Recht! – vor der Person und den Methoden des Moderators gewarnt.
Ein anderer Journalist machte mich einige Tage später darauf aufmerksam, was da heimlich geplant wurde und was der Fernseh-Redaktor mir tunlichst verschwiegen hatte: Zum Gaudi des Publikums wollte man zwei Gruppen von Frauen vorführen und sich auf deren Kosten amüsieren. Ich meine: ein Unrecht gegenüber diesen Frauen, sowohl den Klosterfrauen, wie auch gegenüber jenen Frauen, die ihr Geld durch Prostitution verdienen. Eine billige Methode, sich an der Verlegenheit anderer zu weiden und Einschaltquoten zu jagen. Wie billig ist das redaktionelle Selbstverständnis des Service Public-Senders geworden, wenn erst Menschen hinters Licht geführt werden müssen, um sie vor die Kamera zu bekommen?
Wie der „SonntagsBlick“ vom 10. Dezember berichtet, plant Frank Baumann jetzt „Prostituierte mit Mönchen zu paaren“. Die Frage sei erlaubt, ob die Grenzen des guten Geschmackes bei SF DRS nach unten beliebig offen geworden sind.
 
 

Rüge für Bericht der „Rundschau“ zu Rom-Wallfahrt

Am 27. September berichtete die „Rundschau“ des Schweizer Fernsehens DRS über die Wallfahrt von Schweizer Katholikinnen und Katholiken zum Heiligen Jahr nach Rom. Aufgrund der Reportage gelangte die Bewegung „Pro Ecclesia“ an die Ombudsstelle von SF DRS und beanstandete, dass die Art der Berichterstattung eine „schwere Beleidigung“ der katholischen Zuschauer und Zuschauerinnen sei. Der Ombudsmann des Schweizer Fernsehens DRS, Otto Schoch, bestätigte in seiner Stellungnahme, dass es nachvollziehbar sei, dass sich viele Gläubige durch den „Rundschau“-Beitrag in ihren religiösen Gefühlen verletzt gefühlt hätten. Das berichtete die Schweizerische Katholische Wochenzeitung am 30. November. Die Rundschau-Redaktion habe gegenüber Schoch die Kritik am gesprochenen Kommentar der Reportage, der „zu salopp“ geraten sei, akzeptiert und sich in aller Form dafür entschuldigt.
medientipp / kipa