Just a kiss
Casim ist ein junger DJ in Glasgow, der davon träumt, irgendwann einen eigenen Club zu eröffnen. Er lernt die temperamentvolle Musiklehrerin Roisin kennen, und die beiden verlieben sich in einander. So weit so gut, wäre Casim nicht pakistanischer Herkunft. Eine Beziehung zu einer «goree», einer Europäerin, bekäme nie den Segen seiner Familie. Ausserdem haben seine traditionsbewussten Eltern ihn längst einer Verwandten aus Pakistan versprochen, die er aber noch gar nicht kennt. Casim schwankt zwischen Auflehnen und Aufgeben. Und so werden seine Gefühle auf die Probe gestellt, sowohl gegenüber Roisin als auch gegenüber seinen Eltern.
Nicht die zu erwartenden (und auch erfüllten) Klischees machen den Reiz des Films aus, sondern der Spiegel, den er der Gesellschaft vorhält. So präsentiert sich in der starken Anfangssequenz Casims Schwester Tahara als Multikulti-Person, die als muslimisches Mädchen Glasgower Fussballfan ist und sich gegen eine Schubladisierung aller Muslime nach dem 11. September wehrt. Immer wieder wird sichtbar, wie fragil Integration sein kann, sowohl wegen inneren Strukturen einer Gemeinschaft als auch wegen Vorbehalten von aussen. Doch auch Roisin muss äusseren moralischen Druck erleben, als sie nämlich von der katholischen Schulbehörde auf ihr aussereheliches Verhältnis angesprochen wird.
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch
Ausgezeichnet mit dem Preis der Ökumenischen Jury Berlinale 2004
«Just a kiss», GB/I/D/E 2003, Regie: Ken Loach, Besetzung: Eva Birthistle, Atta Yaqub; Verleih: Filmcooperative Zürich, Internet: http://www.filmcoopi.ch
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