The Fog of War
Errol Morris versetzt seine Zuschauer mitten ins Herz der Macht. Sein Gewährsmann ist Robert S. McNamara, der als ehemaliger Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten profunde Kenntnisse einbringt. Offen und selbstkritisch reflektiert er über Krisen und Kriege, über Entscheidungen der amerikanischen Regierung, die Hunderttausende von Menschen das Leben gekostet haben. Der Bogen des Dokumentarfilms spannt sich vom Ende des Ersten Weltkrieges, über den Verlauf des Zweiten Weltkrieges zum Kalten Krieg, von der Kuba-Krise bis nach Vietnam.
McNamara hat seine Erfahrungen in 11 Lehrsätze gegossen, die den Film in Kapitel strukturieren. Sie sind das Extrakt aus jahrzehntelanger politischer Praxis. «Versetze dich in deinen Feind» eröffnet als Lehrsatz dieses Credo. «Maximiere deine Wirksamkeit» oder «Um Gutes zu tun, kann es notwendig sein, sich auf das Böse einzulassen». Der Film bietet neue und überraschende Erkenntnisse, wenn McNamara die Grenzen der Machbarkeit zu erkennen gibt oder die Verhältnismässigkeit in der Kriegsführung einklagt. Der ehemalige Verteidigungsminister kritisiert das Vorgehen der Regierung Bush im Irak Krieg öffentlich. Errol Morris hat die Interviews mit aussergewöhnlichem Archivmaterial montiert und mit Musik von Philipp Glass unterlegt. Entstanden ist ein kraftvoller und intellektuell anspruchsvoller Essay über Krieg, Vernunft und die Grenzen des politisch Machbaren.
Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch
«The Fog of War», USA 2003, Regie: Errol Morris, Besetzung: Robert S. McNamara, Verleih: Ascot Elite Entertainment Group, Internet: http://www.ascot-elite.ch/fogofwar
