Gori Vatra!

Die Narben des Krieges in Bosnien-Herzegowina sind noch nicht verheilt. Mit der irrwitzigen Tragikomödie «Gori Vatra!» («Es brennt!») erzählt der in Sarajewo geborene Pjer Zalica von den betroffenen Menschen. Zwei Jahre nach dem Friedensabkommen von Dayton wird in einer kleinen bosnischen Stadt der Besuch von Bill Clinton angekündigt. Das versetzt die Behörden in einige Aufregung. Mit allen Mitteln wird nun in der Vorbereitungszeit versucht, die Schattenseiten der Stadt zu tilgen: Korruption, Kriminalität und ethnische Diskriminierung sollen aus dem Alltag verschwinden. Die Prostituierten verwandeln sich in Revuetänzerinnen, die den verschiedenen Religionen und Kulturen angehören, die Feuerwehr gründet hastig ein Orchester, und man holt das Gemeindewappen hervor, das für diesen Zweck dem amerikanischen Geschmack angepasst wird. Mit einem Feuerwerk aus Bildwitz, Satire und Groteske zeigt Zalica, wie hilflos die internationalen Friedensbemühungen daherkommen und wie absurd sie den Menschen in Bosnien erscheinen. Das Lachen über die Überlebenskünstler in diesem balkanischen Mikrokosmos ist jedoch mehr als nur gute Unterhaltung. Nachdenklich stimmen vor allem die Szenen, in denen die Geister der Toten wieder zurück kehren und im Leben der Kleinstadt Erschütterungen auslösen. Der Weg zurück zum Frieden ist ein sehr langer Weg.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

Zum Spielfilm «Gori Vatra!» ist das TRIGON-Magazin 24 erschienen: http://www.trigon-film.org

„Gori Vatra!“, Bosnien-Herzegowina 2003, Regie: Pjer Zalica, Besetzung: Enis Beslagic, Bogdan Diklic, Sasa Petrovic, Verleih: Trigon-Film, Internet: http://www.trigon-film.org