Mare

Morgen. Marija – Koseform Mare – scheucht ihre drei Kinder in die Schule, hängt die Wäsche auf und genehmigt sich dann eine selbstgedrehte Zigarette. Mare hat alles im Griff. Ihre drei Kinder, die sie liebevoll, aber bestimmt erzieht, genauso wie ihren Ehemann Đuro. Der ist froh, eine so fähige Frau zuhause zu haben. Zuhause … Mare möchte wieder arbeiten, aber das gefällt Đuro nicht. Er bittet sie, noch etwas zuhause zu bleiben, wegen der Kinder. Dabei könnten sie das zusätzliche Geld gut gebrauchen. Als Sicherheitsbeamter am Flughafen von Dubrovnik verdient Đuro gerade genug zum Leben.

Zufällig lernt Mare einen polnischen Vorarbeiter kennen, die Chemie stimmt. Als er bei ihr die Waschmaschine repariert, hält sie sich nicht lange auf, sondern nimmt sich, was sie begehrt. Eine leidenschaftliche Affäre beginnt, ohne viele Worte, aber um zärtliche Liebesbotschaften geht es den beiden auch nicht.

Andrea Štaka inszeniert in «Mare» die Geschichte einer Frau, die weiss, was sie will und ihre Wünsche auch umsetzt – irgendwie radikal und dennoch plausibel. Mare liebt ihre Familie und wird wiedergeliebt, aber es fehlt ihr die Leidenschaft. Marija Škaričić spielt Mare mit einer ungeheuren körperlichen Präsenz, lässt die Zweifel dieser starken, selbstbewussten Frau jedoch immer wieder kurz aufblitzen. Štakas Filmsprache ist reif und direkt – genau wie Mare – und reflektiert weitgehend klischeefreie Themen wie Geschlechternormen, Begehren und Freiheit.

Natalie Fritz, Religionswissenschaftlerin und Redaktorin Medientipp

«Mare», Schweiz/Kroatien 2020, Regie: Andrea Štaka, Besetzung: Marija Škaričić, Goran Navojec, Mirjana Karanović; Verleih: Frenetic Films; http://www.frenetic.ch

Kinostart: 12. März 2020

Ab 19. März zum Streamen auf https://www.myfilm.ch/de/ und https://de.cinefile.ch/