Arada – Verbannt in eine fremde Heimat

«Ich packe meinen Koffer und dann komme ich zu dir, Papi» – Es ist herzerweichend, wenn man den Gesprächen zwischen Duran und seinem Söhnlein zuhört. Duran lebt unfreiwillig in der Türkei, der Heimat seiner Eltern. Sein kleiner Sohn ist mit dem Mami in der Schweiz. Duran möchte nichts mehr, als mit ihnen zusammen zu sein – in der Schweiz. Aber das geht nicht. Duran wurde ausgeschafft.

Auch Vedat vermisst seine Heimat. Ein Bild erinnert ihn an sein Zuhause, die Schweiz. Nun ist sogar seine Mutter, die gebürtige Türkin, zurückgereist. In die Schweiz. Ohne Vedat. Auch er darf (noch) nicht zurück. Dafür besorgte Vedats Mutter ihm ein Hundewelpen – damit er nicht ganz vereinsamt.

Mustafa hat sich zwar gut eingerichtet in seinem türkischen Leben mit Familie, aber seinen Sohn vermisst er. Der lebt – genau, in der Schweiz. Dort, wo Mustafa nicht erwünscht ist. Dort, wo Mustafa nicht sein darf.

Jonas Schaffters Dokumentarfilm begleitet drei Männer, die die Konsequenzen der 2010 angenommenen «Ausschaffungsinitative» am eigenen Leib erlebt haben. Sie alle waren straffällig, sind keine frommen Lämmer – aber Menschen. Menschen die in einer «Zwischenwelt» – Arada bedeutet (da)zwischen – gefangen sind. Die sich nach Heimat und Geborgenheit, der Schweiz, sehnen. Manchmal etwas selbstmitleidig, dann wieder einsichtig, reflektieren die drei Männer ihre Vergangenheit und schauen verhalten optimistisch nach vorn. Hauptsächlich in eine Zukunft in der Schweiz, wo sie endlich wieder sich selbst sein können.

Natalie Fritz, Religionswissenschaftlerin und Redaktorin Medientipp

«Arada – Verbannt in eine fremde Heimat», Schweiz 2020; Regie: Jonas Schaffter; Mit: Vedat, Duran und Mustafa ; Verleih: cineworx, http://www.cineworx.ch; Filmseite: http://www.arada-film.ch/

Ab 27. Mai 2021 im Kino