Anne with an E

Die kanadische Prince-Edward-Insel Ende des 19. Jahrhunderts: Hier landet die lebhafte 13-jährige Waise Anne Shirley versehentlich auf Green Gables, dem Hof des älteren, ledigen Geschwisterpaares Marilla und Matthew Cuthbert. Diese wollten eigentlich einen Jungen als Arbeitskraft adoptieren, weshalb Marilla anfangs skeptisch ist. Doch Rotschopf Anne bringt mit ihrer Phantasie und ihrer selbstbewusst-vorlauten Art frischen Wind in das harte Leben der Cuthberts.

Binnen kurzer Zeit avancierte das 1908 veröffentlichte Kinderbuch der kanadischen Autorin Lucy Maud Montgomery zu einem grossen Erfolg. Die Geschichte des rothaarigen Mädchens, das mutig mit den Konventionen seiner Zeit bricht, zog acht Fortsetzungsromane und später zahlreiche Leinwandadaptionen nach sich. Zudem wurde Astrid Lindgren ihrer grossen Heldin inspiriert – Pippi Langstrumpf.

Die seit 2017 auf Netflix laufende Serie «Anne with an E» schafft es nun, den Stoff in die Moderne zu transportieren, ohne den Charme des Originals zu verlieren. Themen wie Homosexualität, Rassismus, Gleichberechtigung oder die christliche Umerziehung indigener Kinder in sogenannten «residential schools» werden geschickt in die Geschichte eingebunden und kritisch hinterfragt. Zudem ist die mittlerweile 18-jährige Amybeth McNulty als sommersprossiger Wirbelwind eine Entdeckung, weil sie der verletzlichen wie kämpferischen Aussenseiterin eine Natürlichkeit und mitreissende Leidenschaft verleiht.

Sarah Stutte, Filmjournalistin

«Anne with an E», Kanada 2017-2019, Drehbuch: Moira Walley-Beckett; Besetzung: Amybeth McNulty, Geraldine James, R.H. Thomson; Serienwebseite: https://www.netflix.com/ch/title/80136311

Am 3. Januar startete die dritte Staffel der Serie. Staffel 1 und 2 sind ebenfalls auf Netlix verfügbar. Der Streamingdienst kündigte an, die Serie nach der 3. Staffel nicht weiterzuführen. Eine Petition im Netz kämpft gerade um eine Verlängerung