Wilbur wants to kill himself
Tabletten und ein aufgedrehter Gashahn: Der Schotte Wilbur
ist lebensmüde und will sich umbringen. Doch da ist noch sein
fürsorglicher Bruder Harbour, der ihn immer wieder davon
abbringen und für den gemeinsamen Buchladen, ja für das Leben
überhaupt, gewinnen möchte. Ganz gelingt dies weder ihm noch
dem zynischen Krankenhauspsychologen Horst oder der
exzentrischen Oberschwester Moira. Wirkliche Veränderung bringt
erst Alice, die im Krankenhaus putzt und zur Aufbesserung der
Haushaltskasse liegen gelassene Bücher verkauft. Denn als sie
und ihre Tochter mit den ungleichen Brüdern zusammenziehen,
entdecken alle auf ihre Weise, was es bedeutet, zu leben ... und
zu lieben. Gemeinsam wohnen sie hinter dem vollgestopften
Buchladen, einer Oase voller Geschichten. Auch vom Tod wird
immer wieder erzählt, und davon, wie Leiden und Glück
miteinander verwoben sind. Dabei treten Wilburs teils skurrile
Selbstmordversuche in den Hintergrund und erscheinen absurd, als
Harbour erfährt, dass er selbst todkrank ist.
Mag auch die Dreiecksgeschichte in manchem absehbar sein,
wird sie doch in schönen Bildern dicht erzählt und
hervorragend gespielt. So kommt der neue Film der Dänin Lone
Scherfig ("Italian for Beginners") privat und
berührend daher, reizt zum Lachen wie zum Weinen und zeigt, wie
schwierig das Leben sein kann, und wie kostbar es trotz allem
ist.
Christine Stark,
Filmbeauftragte Reformierte Medien
"Wilbur wants to kill himself", Dänemark 2002,
Regie: Lone Scherfig, Besetzung: Adrian Rawlins, Jamie Sives,
Shirley Henderson. Verleih: Frenetic Films, Internet: www.frenetic.ch
Kinostart: 25. September 2003
Heremakono - En attendant le bonheur
Das Warten auf Glück prägt das Leben in einer
mauretanischen Siedlung. Abdallah, ein junger kraushaariger
Mann, kommt in die Stadt. Er spricht weder die lokale Sprache,
noch gelingt es ihm, dem Leben im Haus der Mutter eine sinnvolle
Perspektive abzugewinnen. Er fühlt sich fremd im eigenen Land.
Mit diesem Blick von aussen bewegen wir uns durch die langsam
und zauberhaft erzählte Geschichte.
Die Begegnung mit dem kleinen Khatra und seinem
grossväterlichen Elektriker-Lehrmeister, dem dunkelhäutigen
Maata, bringt Abwechslung. Da das Zimmer von Abdallah kein
Licht hat, beauftragt die Mutter die beiden Elektriker für
Strom im Zimmer zu sorgen. Doch nichts funktioniert und es
kommt zu einem Elektrobrand auf dem Dach. Schön ist die lange,
ruhige Szene, in der Khatra den Alten ermutigen will, es noch
einmal zu versuchen, währenddem der bedächtige Maata, die
Gefahr witternd, ins Rauchen flüchtet. "Was geschieht,
wenn man stirbt?" will der Junge immer wieder von Maata
wissen. "Was würde aus dir ohne mich?" herrscht Maata
den unbotmässigen Jungen an. "Ein Elektriker",
antwortet Khatra nach kurzem Zögern.
Mit seinem subtilen Sinn für Humor ist "Heremakono"
von Abdherrahmane Sissako sowohl melancholisches Verharren in
der Sehnsucht als auch erleichtertes Aufatmen. Der ganze Film
ist ein einziges Schweben zwischen Diesseits und Jenseits,
Heimweh und Fernweh.
Charles Martig,
Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
"Heremakono - En attendant le bonheur", Mauretanien
2002, Regie: Abdherrahmane Sissako, Besetzung: Khatra Ould
Abdel Kader, Maata Ould Mohamed Abdeid, Mohamed Mahmoud Ould
Mohamad, Verleih: trigon-film, Internet: www.trigon-film.org
Kinostart: 18. September 2003
Ab 11. September in Zürich im "Lunchkino"
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